Theodolinden-Gymnasium

Städtisches

Grüße aus der Ferne

Liebe Leser*innen,

im Folgenden möchte ich einen Brief von Herrn Schmidbauer, unserem ehemaligen LSK-Koordinator, der 15 Jahre lang die Leistungssportklassen am TLG aufgebaut und stark geprägt hat, veröffentlichen.

Herr Schmidbauer ist seit ca. 4 Jahren auf eigenen Wunsch beurlaubt und seit dem auf Weltreise unterwegs. Dabei ist er auch häufig längere Zeit in Indonesien in der Region Aceh, wo es besonders gute Wellen zum Wellenreiten gibt.

Horst hat sich vor Ort engagiert und unterstützt die ansässigen jungen Fußballer. In diesem Zusammenhang hat er uns vor ca. 3 Jahren gebeten, gebrauchte Fußballschuhe am TLG in den LSK zu sammeln und nach Indonesien zu schicken. Vergangenen September konnte ich wieder zwei Pakete Fußballschuhe losschicken. Herr Schmidbauer ist auf einem der angefügten Fotos im Kreise der jungen Fußballtalente auch zusehen.

In diesem Zusammenhang berichtet Horst über die abenteuerliche Reise der Schuhe…..

Viel Spaß beim Lesen!

St. Munz

 

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Lieber Stefan, liebe Ex-Kolleginnen und Kollegen, liebe LSKler

ich möchte mich im Namen der indonesischen Nachwuchstalente für die diesjährige (eigentlich ja letztjährige) Fußballschuhspende bedanken.

Nach einem Jahr Corona-Pause (2020) und einigen Monaten Verzögerung durch die hiesige Zollverwaltung ist es uns schließlich doch wieder gelungen, die im September 2021 versandten begehrten Kickutensilien ihrem Bestimmungsort – oder vielmehr ihren Bestimmungsadressaten - zuzuführen. Bemerkenswert sind dabei sowohl der Zeitpunkt, als auch die Art und Weise, wie sich die Geschichte zugetragen hat. Dazu muss ich aber ein wenig ausholen:

Die letzte Sendung im Jahr 2019 wurde ohne Beanstandung und Verzögerung an meinen einheimischen Freund Harry (eigentlich Aidil Adhari) gesendet, wo sie dann einige Wochen gelagert wurde, damit ich die Schuhe nach meinem Eintreffen persönlich im Rahmen eines Schnuppertrainings mit anschließendem Bolzplatzturnier an die Dorfjugend von Mon Ikeun verteilen konnte.

In diesem Jahr verlief die Angelegenheit nicht ganz so reibungslos. Als ich im November 2021 hier im Dorf eintraf, legte mir Harry ein Schreiben der hiesigen Zollbehörde vor. Trotz meiner fehlenden Sprachkenntnisse konnte ich anhand der dreizeiligen Auflistung erkennen, dass es sich bei Punkt 1 und 2 um die Sendung der zwei Pakete unserer Schule mit insgesamt 27 Paar Fußballschuhen und ein paar weiteren Artikeln handelte. Dass auf diese Liste ein drittes Paket mit der Bezeichnung „Sextoys“ (ohne nähere Spezifizierung und - wohlgemerkt – für einen anderem Namen und eine andere Adresse!) gerutscht war, fanden wir in diesem muslimischen Land, noch dazu in der am strengsten muslimisch geführten Provinz dieses Landes, recht amüsant. Unsere Jungs vom Strand Café stürzten sich sofort auf ihre Mobiltelefone, um den Adressaten zu googlen. Ohne Erfolg! Ich persönlich glaube auch nicht, dass der Empfänger im weiteren Verlauf eine ebenso große Hartnäckigkeit beim Zollamt an den Tag gelegt hat, wie wir sie in den nächsten Monaten(!) aufbringen würden.

Unser erster Besuch bei der Zollbehörde verlief nicht unfreundlich, aber letztendlich erfolglos. Wir wurden vom Pförtner höflich empfangen und zum Schalter geleitet, trugen unser Anliegen vor und etwa 20 Minuten später saßen wir mit vier Zollbeamten in einem Konferenzzimmer. Die Wartezeiten werden auch in diesem Land immer durch die höheren Instanzen verursacht.  Sie wurden auch mit jedem weiteren Treffen länger und die Hinhaltetaktik mit jedem Besuch ausgefeilter. Zunächst wurde das Argument einer strengeren Handhabung der Importregelung wegen „Corona“ vorgebracht. Als Nächstes versuchte man das Ganze mit Hinweis auf die „Ungenauigkeiten der Auflistung“ in Richtung „unbeabsichtigten Schmuggel“ zu drehen. Als dann unterschwellig eine Bemerkung über eine mögliche Verkaufsabsicht (mit der Konsequenz, die eingeführte Ware verzollen zu müssen) herauszuhören war, waren wir vorbereitet und konterten diese Unterstellung routiniert. Mit den Fotos von der Übergabe aus den vergangenen Jahren und einem „offiziellen“ Schreiben des Bürgermeisters dokumentierten wir unsere „langjährige“ Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Verein und konterten so die Zermürbungstaktik der Offiziellen.

Das Schlimmste, also die Bezahlung des Einfuhrzolls, der sich selbstverständlich am Neuwert der Ware bemessen würde, schien nun abgewendet. Aufgrund meiner Reiseerfahrung wusste ich auch, dass der Umgang mit Behörden in Ländern wie diesen außer einem freundlichen Lächeln den nötigen Respekt und vor allem viel Geduld verlangt. Dennoch waren wir fest entschlossen und wollten nach weiteren Besuchen und Telefonaten mit der immer gleichen Antwort eine Entscheidung herbeiführen. Ich konnte dieses ewige „on proses“ (in Bearbeitung) nicht mehr hören. Also drängte ich auf ein letztes Meeting, das wieder mit den vier Zollbeamten, diesmal aber bei uns im Strand Café stattfand. Zusätzlich hatten wir den Bürgermeister des Ortes und den Jugendleiter eingeladen. Mit Publikum bzw. personeller Verstärkung und dem „Heimvorteil“ im Rücken rechneten wir uns bessere Chancen aus.

Nach dem üblichen freundlichen Gespräch bei Kaffee und Kuchen gestanden unsere uniformierten Gäste schließlich ein, dass sie in der Sache machtlos waren, weil sie selbst auf die seit Wochen ausstehende Entscheidung ihres obersten Vorgesetzten in der Hauptstadt warteten. Da wir nun zumindest wussten, wo die Ursache bzw. die Pakete lagen, sagte ich gespielt fröhlich, aber mehr mit hilflosem Galgenhumor: „Okay! Dann kommen wir nächste Woche mit 27 Kindern aus dem Dorf ins Hauptzollamt nach Banda Aceh. Dann können der Chef ja den Kindern selbst erklären, warum sie ihre heiß ersehnten Fußballschuhe nicht bekommen!“

Dieses Treffen verließen nicht alle mit einem Lächeln. Der Scherz kam bei den Beamten offensichtlich nicht als solcher an. Vielleicht lag es an meinem fehlerhaften Englisch - oder der indonesischen Übersetzung durch Harry, der sich im Übrigen, genau wie der Bürgermeister und der Vereinsvertreter, zumindest nach Abreise der Uniformierten, ein leicht verschmitztes Grinsen nicht verkneifen konnte.  Zwei Tage später kam die telefonische Nachricht vom Bürgermeister, dass am 8. März 2022 bei ihm im Gemeindezentrum von Mon Ikeun die Pakete (die im November in Indonesien angekommen waren) hochoffiziell übergeben werden sollten.

In einem bemerkenswerten „Festakt“ mit fast 20 Personen wurde die Aushändigung zelebriert. Der oberste Chef der Zollbehörde der Provinz (Bundesland) Aceh unterzeichnete im Beisein des obersten Zollbeamten der Hauptstadt Banda Aceh (und weiteren 5 Beamten) vor den Augen des Chefs des Bezirkes Lhoknga (vergleichbar mit dem Landrat) das Dokument in sechsfacher(!) Ausfertigung. Der Bürgermeister des Ortes Mon Ikeun bestätigte den Empfang ebenfalls sechsmal und sein Stellvertreter drückte dem Ganzen noch sechsmal seinen Stempel, sprich, das Dienstsiegel, auf.

Einen letzten Schreckmoment musste ich noch ertragen, als die begehrten Objekte dann durch aller Herren Hände wanderten, die die Schuhe dann mit begierigen Blicken einer genauen Inspektion unterzogen und zum Teil sogar anprobierten. Erleichtert stellte ich am Abend fest, dass der Jugendbeauftragte des Dorfes alle 27 Paar vollständig lieferte, sodass wir sie dann an die strahlenden Bolzplatzkinder (auch an die, die an diesem Abend nicht anwesend waren) verteilen konnten. Ende gut, alles gut!

Und da wir ja jetzt, wie auf dem extra von der Zollbehörde angefertigten Plakat zu sehen ist, eine von höchster Stelle bestätigte Zusammenarbeit vorweisen können, werden zukünftige Sendungen sicherlich bevorzugt behandelt!

In diesem Sinne nochmals ein herzliches „Vergelt`s Gott an alle Spender, Sammler und Versender!

Auf ein Neues in 2022! Bleibt`s gsund!

Horst Schmidbauer

 

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